90 Sekunden – Tipp #50:
Starke Egos im Team


8. Mai 2026
 

In einem Coaching schilderte mir eine Führungskraft eine typische Szene aus ihrem Alltag: In Sitzungen spricht ein Teammitglied lange, stellt eigene Beiträge stark ins Zentrum und reagiert gereizt auf kritische Rückfragen. Andere ziehen sich zurück, gute Punkte gehen unter.

In solchen Momenten fällt schnell das Wort „Narzissmus“. Das mag manchmal passen, oft ist es einfach ein Etikett für Verhalten, das im Team stört. Für den Alltag ist die Diagnose zweitrangig. Entscheidend ist: Die Wirkung auf das Team ist negativ und das gehört angesprochen. Vom Team und von der Führung.

Es geht nicht um Selbstbewusstsein. Klar auftreten ist wichtig. Es geht um den Umgang miteinander.

Typische Muster dabei sind: gesteigertes Bedürfnis nach Anerkennung, geringe Offenheit für Kritik, Abwertung von Beiträgen anderer, Verschieben von Verantwortung.

Fünf konkrete Ansätze:

1. Verhalten benennen, nicht die Person. Bleiben Sie bei Beobachtungen. „Du hast mich drei Mal unterbrochen, ich möchte meinen Punkt fertig machen.“ Das schafft Klarheit, ohne zu eskalieren.

2. Gesprächsregeln einfordern. Gerade in Sitzungen hilft Struktur. Redezeiten, Moderation, Reihenfolge. Wer moderiert, achtet darauf, dass alle zu Wort kommen, alle einander zuhören und Beiträge nicht abgewertet werden.

3. Grenzen setzen. Fühle ich mich von Teilnehmenden in der Runde genervt: Ruhig und höflich bleiben, Problem ansprechen und sagen was stört. Zum Beispiel: „Ich gehe auf Kritik ein, wenn sie konkret ist. Pauschale Aussagen helfen mir nicht weiter.“

4. Wirkung spiegeln. Unter vier Augen ansprechen, was das Verhalten auslöst. „In der Sitzung gestern sind zwei Kolleginnen kaum zu Wort gekommen. Das schwächt unser Team und unsere Entscheide.“ Konkret, ohne Vorwurf.

5. Verantwortung klären. Sollte sich nichts im Verhalten ändern, kann es hilfreich sein, als vorgesetzte Person das Gespräch zu suchen: Erwartungen festlegen, Verhalten einordnen, Konsequenzen klären. Kultur entsteht auch durch das, was geduldet wird.

Machen Sie es besser und greifen Sie ein, wenn die Zusammenarbeit leidet. Klarheit im Verhalten schafft Sicherheit im Team. Und genau dort entsteht Leistung.