90 Sekunden – Tipp #51:
Kleine Schritte statt grosse Systemdebatten
30. Juni 2026
Kleine Schritte bringen ein System oft schneller in Bewegung als lange Grundsatzdiskussionen.
In einem Workshop mit einem Führungsteam sagte jemand: «Bevor wir mit der Umsetzung beginnen, müssen wir zuerst das Gesamtsystem sauber klären.» Alle nickten. Ein kluger Gedanke. Schliesslich ist es wichtig, Zusammenhänge zu verstehen und Wechselwirkungen zu berücksichtigen. Das Problem: Die Umsetzung begann nie.
Gerade in grösseren und hierarchischen Organisationen höre ich solche Sätze oft. Übersetzt heisst das manchmal: Zuerst sollen die anderen alle offenen Fragen klären. Erst danach beginnen wir mit der Umsetzung.
Die Neigung, alles ganzheitlich durchdenken zu wollen, bevor überhaupt ein erster Schritt erfolgt, erlebe ich häufig. Zusammenhänge erkennen, das grosse Ganze sehen und langfristig planen gehört zu guter Führung. Daran gibt es nichts auszusetzen.
Schwierig wird es dann, wenn die vollständige Gesamtsicht zur Voraussetzung für jede Veränderung oder sogar für die erste Kommunikation wird. Vollständig geklärt ist ein System nämlich fast nie.
Deshalb priorisieren wir in Workshops bewusst. Nicht weil Strategie unwichtig wäre, sondern weil Bewegung oft wichtiger ist als Perfektion. Viele Veränderungen entstehen erst, wenn die ersten konkreten Schritte gegangen werden.
Fünf Impulse aus der Praxis:
- Modus klären. Was braucht tatsächlich eine strategische Diskussion und was darf pragmatisch entschieden werden? Nicht alles ist eine Grundsatzfrage.
- Kleine Schritte definieren. Nicht die perfekte Lösung suchen, sondern den nächsten gangbaren Schritt festlegen.
- Quick Wins sichtbar machen. Kleine Erfolge erzeugen Energie und Vertrauen. Sie zeigen: Wir kommen voran.
- Verantwortung klar zuordnen. Auch ein kleiner Schritt braucht eine klare Zuständigkeit und einen Termin.
- Einfach mal machen. Lernen entsteht oft im Tun. Anpassungen können später immer noch erfolgen.
Meine Erfahrung ist: Viele Veränderungen scheitern nicht an mangelnden Konzepten, sondern daran, dass niemand den ersten Schritt macht. Oft sind es gerade die unvollständigen, pragmatischen Schritte, die ein System wieder in Bewegung bringen.
Machen Sie es besser und sorgen Sie für Fortschritt, gerade dann, wenn noch nicht alles abschliessend geklärt ist.