90 Sekunden – Tipp #47:
Lesbare Texte trotz Gendern


12. Januar 2026
 

In einem Coaching brachte eine Kommunikationsverantwortliche das Thema auf den Punkt: „Ich will selbstverständlich inklusiv schreiben, aber meine Texte verlieren an Leichtigkeit. Selbst ich stolpere beim Lesen.“
Inklusiv zu schreiben, sollte heute selbstverständlich sein. Wie man daraus ein politisches Thema machen kann, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Es gäbe auf unserer Welt dringendere Probleme zu lösen – zum Beispiel, wie wir überhaupt noch respektvoll miteinander umgehen.


Und trotzdem bleibt das Dilemma: Zwischen Sternchen, Doppelpunkten und Binnen I geht oft das verloren, worum es eigentlich geht: verständliche, ansprechende Sprache. Doch wie gelingt Gendern, ohne dass der Text hakt?

Fünf Tipps aus der Praxis:

  • Vielfalt durch Plural: Statt der Mitarbeiter → die Mitarbeitenden. Das ist natürlich, lesbar und grammatikalisch korrekt.
  • Neutral statt doppelt: Verwenden Sie neutrale Begriffe: Leitung, Team, Person, Fachkraft etc. Das spart Platz und vermeidet Stolpersteine.
  • Lesbarkeit vor Symbolik: Ein Text soll fliessen. Wenn Sonderzeichen oder Doppelpunkte den Rhythmus bremsen, wählen Sie lieber eine andere Formulierung. Verständlichkeit geht vor Perfektion. Und trotzdem, wer lange genug denkt, findet meist eine Lösung.
  • Rhythmus prüfen: Lesen Sie laut. Wenn der Satzfluss stockt, ist meist nicht das Genderzeichen das Problem, sondern der Satzbau.
  • Haltung zeigen: Gendern wiederspiegelt eine Haltung und die darf auch in der Sprache spürbar sein.

 

Machen Sie es besser und schreiben Sie so, dass Menschen sich angesprochen fühlen. Sprache wirkt dann am stärksten, wenn sie verbindet und nicht wenn sie trennt.