90 Sekunden – Tipp #53:
Konzentration trotz Nebengeräuschen
20. Oktober 2026
In einem Coaching erzählte mir eine Führungskraft, wie schwer es ihr fällt, sich im Büro zu konzentrieren. Nebenan wird telefoniert, zwei Personen diskutieren über ein Projekt, jemand lacht und zwischendurch kommt eine Frage vom Nachbartisch. Besonders bei anspruchsvollen Aufgaben verliert sie immer wieder den Faden.
Das Problem kennen viele aus Grossraum- und offenen Büros. Unser Gehirn kann Geräusche erstaunlich gut ausblenden. Bei Gesprächen wird es schwieriger. Wir hören Sprache und beginnen automatisch, Inhalte wahrzunehmen. Gleichzeitig sorgen Mails, Teams-Nachrichten und kurze Fragen dafür, dass wir gedanklich immer wieder aus unserer Aufgabe herausgerissen werden.
Was also kann man tun, wenn man konzentriert arbeiten möchte und man umgeben von Kolleginnen und Kollegen ist?
Fünf Tipps aus der Praxis:
- Kopfhörer auf. Noise-Cancelling-Kopfhörer reduzieren einen grossen Teil der Umgebungsgeräusche. Wer dabei Musik hört, sollte bei anspruchsvollen Aufgaben eher instrumentale Musik oder gleichmässige Hintergrundgeräusche wählen. Sprache im Ohr kann genauso ablenken wie das Gespräch am Nachbartisch.
- In Fokusblöcken arbeiten. Reservieren Sie sich z. B. 30 bis 50 Minuten für eine Aufgabe. Mailprogramm und Teams schliessen, Handy weglegen und in dieser Zeit nur auf ihre Aufgabe konzentrieren. Danach folgt eine kurze Pause.
- Die beste Zeit schützen. Oft wissen Sie, wann Sie sich besonders gut konzentrieren können und wann es im Büro ruhiger ist. Legen Sie anspruchsvolle Arbeiten möglichst in diese Zeit. Die produktivsten 60 Minuten des Tages mit der Beantwortung von Mails zu verbringen, ist nicht die beste Idee.
- Den Arbeitsplatz der Aufgabe anpassen. Für Mails und administrative Aufgaben reicht oft der normale Arbeitsplatz. Für ein Konzept, einen schwierigen Text oder eine wichtige Entscheidung kann ein Rückzugsraum, das Homeoffice oder ein anderer ruhiger Ort geeigneter sein.
- Im Team Regeln vereinbaren. Kopfhörer können beispielsweise signalisieren: Bitte jetzt nur bei dringenden Fragen ansprechen. Telefonate können in bestimmten Bereichen geführt und längere Diskussionen in Sitzungsräume verlegt werden. Wenn das Team diese Regeln gemeinsam vereinbart, ist die Wirkung besonders gross.
Und wenn im Büro fast alle mit Noise-Cancelling-Kopfhörern dasitzen, ist das nicht nur ein seltsames Bild… Dann lohnt sich auch ein Blick auf die Arbeitsumgebung. Ein gemeinsames Büro soll Begegnung, spontanen Austausch und Zusammenarbeit ermöglichen (sonst könnten wir auch im Home-Office bleiben). Wenn sich alle abschotten, um konzentriert arbeiten zu können, geht ein wichtiger Teil davon verloren. Dann braucht es Lösungen für beides: klare Regeln für Telefonate und Gespräche, genügend Rückzugsräume, bauliche Massnahmen für eine bessere Raumakustik, sowie Rituale und Orte für Begegnung.
Machen Sie es besser und schaffen Sie Arbeitsbedingungen, die beides ermöglichen: konzentriertes Arbeiten und den Austausch mit anderen.