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Geschichten aus dem Büroalltag #28:
Führen heisst entscheiden


7. Juli 2023
 

In einem Coaching hat sich jemand aus dem mittleren Kader einer operativen Abteilung beklagt: "Früher war alles einfacher. Wir haben eine Idee gehabt, diese unseren Vorgesetzten vorgeschlagen und es wurde bewilligt oder abgelehnt. Heute aber wird uns nicht mehr vertraut und ich muss den Stabsstellen* zur Begründung unzählige Informationen liefern. Entschieden wird langsam oder gar nicht. Was kann ich dagegen tun?"

Die Beobachtung deckt sich mit meinen Erfahrungen. Gerade in grösseren Betrieben werden immer mehr Stabsstellen geschaffen, die Entscheidungsgrundlagen für das Management aufbereiten und alle Ergebnisse überprüfen. Denn, wenn es um Entscheidungen geht, wird oft versucht diese tausendfach abzusichern und ans "System" zu delegieren. Vieles daran ist sinnvoll und führt tatsächlich zu besseren Ergebnissen. Aber es gibt eine Kehrseite: Verlangsamte Prozesse, zerredete Ideen, Datenerhebung bei denen sich für die operativen Abteilungen (die Datenlieferanten) der Nutzen nicht erschliesst und aus all dem resultiert ein massiv erhöhter Aufwand für alle Beteiligten.

Doch woran kann es liegen, dass eine eigene organisationsinterne "Industrie" geschaffen wurde? Was steckt dahinter?

  • Fehlendes Verantwortungsbewusstsein. Ist etwas gut herausgekommen, gibt es viele Väter und Mütter. Geht es um eine Fehlentscheidung und es wurde Geld und Zeit verschwendet, geht die Suche nach Verantwortlichen los. Vorgesorgt hat, wer den Entscheid nicht allein gefällt hat, sondern ein Gremium "schuld" war. Dabei wird dann nur noch selten thematisiert, dass sich eine Person vor der Verantwortung gedrückt hat.
  • Fehlender Mut. Einen Entscheid zu fällen braucht Mut. Dies insbesondere, wenn die Datengrundlage nicht vollständig ist. Aber das ist sie eigentlich nie… Wie heisst es so schön: "Besser eine schlechte Entscheidung treffen als gar keine.“
  • Mangelndes Vertrauen in die Mitarbeitenden. Mitarbeitende, die direkten Kundenkontakt haben, kennen deren Wünsche und Bedürfnisse oft am besten. Wird dann von ihnen eine neue Idee eingebracht, diese aber unendlich lange hinterfragt und zerredet ist irgendwann die Luft raus und die Idee wird fallen gelassen. Die Folgen sind absehbar: Die Mitarbeitenden sind frustriert und es werden vermutlich nur noch wenige neue Vorschläge gemacht.


Machen Sie es besser und achten Sie darauf, dass in ihrem Unternehmen zeitnah entschieden und umgesetzt wird. Wir selbst und unsere Mitarbeitenden sind dankbar, dass entschieden wird und wir gezielt weitermachen oder uns anderen Dingen zuwenden können. Und sollte sich im Nachhinein herausstellen, dass die Entscheidung falsch war, so haben alle Beteiligten die Chance daraus zu lernen.


* Eine Stabsstelle ist in der Organisationslehre eine Organisationseinheit, die nur indirekt durch Unterstützung einer oder mehrerer Instanzen zur Lösung einer Aufgabe beiträgt. (Definition Wikipedia)